|
Beratung und Vermittlung von tiergestützter Therapie (Reit-, Delphintherapie)
von Mirjam von Ribbeck, Dolphin Assistant Trainer
Tiere besitzen eine starke Anziehungskraft auf Kinder. Mit meist kleinen Augen und warmem Blick beobachten sie aufmerksam und neugierig ihre Umgebung. Sie haben dieselben Bedürfnisse wie ein Mensch, benötigen Nahrung und Wasser, frische Luft, sie pinkeln und setzen eine Wust in`s Grüne, sie brauchen Zärtlichkeiten und ein „Zuhause“ - ein Ort, an dem sie geboren werden, wachsen und schließlich selbst wieder Leben schenken. All diese Gemeinsamkeiten sind der Schlüssel für Beziehungen mit Tieren. Ein krankes oder verletztes Tier wird sich zurückziehen, wurde es schlecht behandelt wird es scheu und ängstlich auf Menschen reagieren. Auch das realisieren Kinder sehr schnell, das Tier wird zum Verbündeten. Bei der therapeutischen Arbeit steht nie das Problem im Mittelpunkt, sondern das Tier. Damit wechselt das bei allen anderen Therapiearten sonst so übliche Gefühl des „ich brauche eine Therapie, denn ich bin anders/ irgendwie krank“ zum „hier darf ich sein und dem Tier etwas beibringen was ich kann“. Tiere bewerten nicht. Sie interessieren sich nicht für die persönliche Geschichte, das Problem, irgendwelche Behinderungen oder auch einem ungepflegtem Äußeren. Sie reagieren einfach ihren Bedürfnissen und Gewohnheiten entsprechend, sind verlässlich und geben auf direkte Art und Weise Rückmeldung auf ein Verhalten.
Es gibt unterschiedliche Arten von Therapien mit Tieren. Ausschlaggebend ist die körperliche Verfassung des Kindes und sein jeweiliger Entwicklungsstand. Eine Therapie mit Delphinen kann schon aufgrund der äußerlichen Umstände (sonnige Länder, Urlaubsstimmung, das Element Wasser etc.) für sehr viel Entspannung sorgen. Zudem kommt der Kontakt mit den doch eher fremden Tieren, die immer auch auf die Erwachsenen einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Sie wird erfolgreich bei vielen Kindern eingesetzt, die unter Aufmerksamkeitsstörungen, allgemeine Konzentrationsschwäche, Autismus, aber auch viele andere geistige und körperliche Behinderungen leiden. Sehr effektiv ist dabei die Kombination mit physiotherapeutischen Behandlungen. Eine begleitende Reittherapie zur Schulung von Muskulatur und Gleichgewichtssinn wird z. B. in Ägypten mit Kamel und Pferd angeboten.
Eine Therapie mit Hunden hat den Vorteil, dass sie kostengünstig und in fast jeder Region zu finden ist. Dies ermöglicht einen dauerhaften und konstanten Kontakt zwischen Tier und Mensch, im Gegensatz zu exotischen Projekten wie der Delphintherapie. Der Vorteil liegt auf der Hand: durch den stetigen Kontakt über Monate oder Jahre hat das Kind einen zuverlässigen Partner, zu dem es vertrauensvoll Kontakt aufbauen, nachholen und lernen kann, was ihm in seinem momentanen Zustand fehlt. Dies kann eine einmalige oder einjährige Therapie z. B. mit Delphinen nicht bieten.
In Israel gibt es Projekte mit allen Möglichen Arten von Tieren, die in Heimen für geistig und körperlich behinderte Kinder eingesetzt werden. So berichten Sozialpädagogen von maximaler Entspannung der Kinder, die im Alltag immer wieder einen kleinen Hamster in die ansonsten spastisch verkrampfte Hand legen. Meerschweinchen oder Katzen werden auf den Bauch gelegt und sorgen durch den wohlig warmen Fellkörper und dem beruhigenden Schnurren für eine komplette Tiefenentspannung, sowie einem besseren Körpergefühl.
In Deutschland gab es etliche Projekte für Heim- und Straßenkinder, die aufgrund frühster traumatischer Erfahrungen in ihrem Leben nur noch aggressiv reagierten. Über den Kontakt und die Pflege von Pferden, Kühen, Ziegen und Schafen auf einem Bauernhof, sowie die dortige alltägliche körperliche Arbeit kamen die Kinder wieder in Kontakt mit ihrem eigenen Körper und vor allem ihrer Seele. Sie pflegten mit solch einer Hingabe „ihre“ Tiere, das manch ein Erzieher nur staunen konnte zu wieviel Zärtlichkeit und Liebe die so kalt gewordenen Persönlichkeiten wieder fähig waren. Leider mussten sämtliche dieser mir bekannten Projekte aus Kostengründen bzw. mangelnder staatlicher Unterstützung wieder geschlossen werden.
Auch in Altersheimen gab es Versuche Tiere in den Alltag der Senioren einzugliedern. Die Bewohner durften ihre Haustiere mitbringen und bei sich wohnen lassen, zudem gab es Katzen und Hunde, die im Altenheim mitversorgt und gepflegt wurden. Das Ergebnis war überwältigend: Schmerz- und Schlafmedikamente konnten massiv reduziert werden, die Bewohner waren rüstiger und nahmen aktiv am Leben teil. Lachen war an der Tagesordnung und jeder kümmerte sich herzlichst um die Tiere. Der sonst so übliche Mangel an körperlicher Zuwendung, Gesprächen und aktiver Bewegung war in diesen Heimen kein Problem, die Senioren waren ausgeglichen und auch das Pflegepersonal arbeitete entspannter und freundlicher. Auch hier ist mir leider nur in wenigen Fällen bekannt, dass diese Projekte aufrecht gehalten werden konnten.
Bei allem Erfolg in der Tiertherapie darf jedoch nie außer Acht gelassen werden, in welchem Maße Tiere heutzutage benutzt werden, um dem kranken oder bedürftigen Menschen für seine eigene Heilung zur Verfügung zu stehen. Treu und zuverlässig läßt das Tier hierbei den Menschen auch nicht im Stich – allerdings auf eigene Kosten, das Tier wird krank und stirbt.
Dies ist vor allem in der Delfintherapie schon lange bekannt. Dennoch gibt es weiterhin nur wenige Delfin-Therapiezentren, wo diese wundervollen Geschöpfe art spezifisch gehalten werden und ihnen der freie Wille und eine Rückzugsmöglichkeit gelassen wird. In Eilat wird dies beachtet und eingehalten. Die Delfine werden in einer Meeresbucht gehalten und konnten bis vor einigen Jahren jederzeit in das offene Meer hinaus schwimmen. Sie kamen freiwillig zur Therapie und es war ein faszinierendes Projekt. Leider gab es diverse Zwischenfälle mit Touristen, die mit Partybooten in die Bucht hineinfuhren und den Delfinen Bier in das Blasloch schütteten. Zudem verbreiteten israelische Medien, dass der zurückgehende Fischfang auf die Delfine zurückzuführen sei und man brachte Sprengsätze auf den Meeresboden an, um die Delfine zu vertreiben. Etliche kamen dabei um`s Leben. Paradoxerweise wurde diese Methode offiziell von der israelischen Tier- und Umweltschutzbehörde gebilligt und genehmigt.
Bei all diesen Meldungen und Informationen gilt es die Tiere in noch stärkerem Maße zu schützen und sich für ihren Erhalt und die artgerechte Haltung zu engagieren. Sei es aktiv oder passiv über Tier- und Naturschutzverbände.
Wie schon die Indianer erkannten und danach lebten hängt alles Leben auf dieser Erde davon ab, ob wir miteinander leben oder nur ausbeuten. Wir sind alle gefragt uns für ein Leben in Freiheit und Gerechtigkeit mit Tier und Natur einzusetzen!
|